k54 – Der erste Stadtvampir der Welt
Niemand weiß genau, wann er zum ersten Mal aufgetaucht ist.
Vielleicht war er schon immer hier – zwischen dampfenden Gullydeckeln und den Lichtflecken, die Laternen auf nasses Pflaster malen.
Manchmal trägt er eine Kamera, manchmal nur einen Blick, der hängen bleibt.
Er spricht wenig, doch wenn er es tut, klingt es, als würdest du seinen Gedanken lauschen.
Sie nennen ihn K54.
Andere sagen: der Stadtvampir. Er ist der erste seiner Art.
Vergiss alles, was du über Vampire zu wissen glaubst. Er ist nicht der mit den Zähnen, sondern der seltene. Er trinkt kein Blut. Seine Nahrung ist die Stadt selbst, ihre Energie und ihre Geschichten.
Der Stadtvampir ist ein Sammler von Augenblicken. Er zieht seine Energie aus der Kreativität der Menschen, aus den unzähligen, besonderen Momenten, die die Stadt ihm schenkt. Das kann die liebevolle Organisation eines Flohmarkts sein, die spannende Entdeckung einer alten, verlassenen Theaterwerkstatt oder einfach die Freude, die ihm eine zufällige Begegnung bereitet. Er ernährt sich von dieser Energie – sie ist sein Treibstoff.
Und wenn er satt ist, lässt er etwas zurück.
Manchmal eine Geschichte, manchmal nur ein Foto.
Es heißt, seine Bilder sind keine Bilder, sondern Fallen. Wer lange genug hinsieht, hört Geräusche, die nicht da sind:
Eine Katze, die einen Satz in einer fremden Sprache spricht.
Das Klicken einer Flasche, die man gar nicht geöffnet hat.
Das Zerspringen von Blütenblättern, die wie Glas splittern.
Und irgendwo, hinter einer Tür, die niemand kennt, sortiert K54 diese Geschichten und legt sie nebeneinander, wie andere Menschen Fotos entwickeln. Man sagt, es werden 365 sein, wenn er fertig ist. Doch wer weiß schon, wann ein Stadtvampir jemals fertig ist.
Du kannst dabei sein, wie du möchtest – dich dazustellen und lauschen.
Du kannst dir Zeit lassen, ein paar Minuten am Tag.
Du kannst träumen und deinen eigenen Erinnerungen lauschen.
Du hast keine Eile. Die Bilder sind entstanden, die Geschichten sind geschrieben.
Du kannst einfach sein.
Ein interdisziplinäres Kunstprojekt von bleibendem Wert
Das Projekt „k54 – Der erste Stadtvampir der Welt“ verbindet die Kunstformen Fotografie, Sounddesign und literarisches Erzählen zu einem einzigartigen, digitalen Gesamtkunstwerk. Es ist ein Langzeitprojekt, das über zehn Jahre ein digitales Archiv urbaner Geschichten aufbauen wird. Diese Sammlung von 365 Hörgeschichten wird nicht nur die Kreativität der Stadtbewohner:innen abbilden, sondern auch eine einzigartige kulturhistorische Zeitkapsel schaffen, die die Atmosphäre und die verborgenen Erzählungen des städtischen Lebens dokumentiert.
Die Förderung von Teilhabe und Inspiration
Das Projekt ist konzipiert, um passive Hörer:innen in aktive Teilnehmende zu verwandeln. Indem es die Zuhörer:innen dazu einlädt, die kleinen, oft übersehenen Augenblicke in ihrem eigenen Leben wertzuschätzen, fördert es die kreative Wahrnehmung und das Bewusstsein für die eigene Umgebung. Das Vorhaben, weitere „Stadtvampire“ einzuladen, um ihre eigenen urbanen Momente zu teilen und zu vertonen, schafft eine Plattform für kreative Partizipation und Gemeinschaftsbildung. Es demonstriert, dass jeder Mensch zum Künstler werden kann, wenn er die Energie seiner Stadt zu nutzen lernt.
